Wachstum nach einer Haartransplantation

Dass die Menschen untereinander sehr verschieden sind, zeigt sich auch an dem Wachstum transplantierter Eigenhaare. Bei einigen Patienten ist schneller ein Erfolg zu sehen, bei anderen benötigt das Wachstum nach einer Haartransplantation etwas länger.

Die Haarchirurgie bezeichnet dies als „fast“ beziehungsweise „slow grower“. Das bedeutet, dass bei manchem Patienten bereits innerhalb von 6 Monaten das Wachstum gut erkennbar ist, bei anderen eventuell erst nach 12 Monaten. Dass überhaupt keine Haare nach einer Haarimplantation sprießen, ist nahezu ausgeschlossen.

Um das Wachstum der Grafts nicht zu gefährden, ist nach einer Haartransplantation grundsätzlich von schweren Arbeiten, extremem Schwitzen beziehungsweise Feuchtigkeit und Staub sowie Sport (speziell Bodybuilding/Krafttraining) innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen dringend abzuraten.

Ungefähr vier Wochen sollten bis zum ersten Saunagang und Schwimmbadbesuch (bezüglich Chlor) vergehen. Die Nutzung des Solariums sowie intensive Sonneneinstrahlung ist während der ersten 6-8 ebenfalls zu vermeiden. Bis die Rötung des transplantierten Areals abgeklungen, sollte dieser vor starker Sonne geschützt werden.

Wann beginnen die Haare zu wachsen?

1. Tag nach Haartransplantation
1 Tag nach Haartransplantation

Die ersten 7  Tage

Etwa ein bis zwei Tage nach der Eigenhaar-Verpflanzung (Haartransplantation) zeigen sich zwar schmerzlose, allerdings unansehnliche Schwellungen im Stirn-und Augenbereich . Nach circa fünf Tagen haben sich die Schwellungen normalerweise so weit zurückgebildet, dass selbst von fremden Personen nichts Außergewöhnliches wahrzunehmen ist. Duschen ist zwar erlaubt in den ersten Tagen, jedoch nur eine „Körperdusche“. Für den transplantierten Bereich gibt es spezielle Wasch-und Pflegehinweise.

Nach 2 Wochen

Die behandelten Hautbereiche (Empfängergebiet) weisen nach dem Eingriff Wundkrusten auf, welche sich nach etwa 10-14 Tagen ablösen – also etwas 2 Wochen nach der Behandlung ist die Wundheilung in der Regel komplett abgeschlossen.

2 Wochen nach Haartransplantation
2 Wochen nach Haartransplantation

Die feinen Mikrokanäle, in die die entnommenen Haare implantiert wurden, schließen sich und es bilden sich Krusten. Dies gilt auch für den Spenderbereich (Hinterkopf), aus dem die Grafts entommen wurden. Auch dort bilden sich kleine Krusten, die eine schützende Funktion haben. Gerade in den ersten Tagen nach einer Haarverpflanzung ist Vorsicht geboten. Noch sind die transplantierten Haare nicht hunderprozentig fest. Daher sollte der Patienten folgendes Vermeiden: starker Druck, Kratzen, Reibung, Stöße etc.

Eine Kopfbedeckung kann nach einer HT behutsam und vorsichtig getragen werden; z.B. eine weitere Cap, einen Fischerhut oder ein Tuch. Eine hautenge Wollmütze und ähnliche Kopfbedeckungen sollten jedoch erst nach 2 Wochen zum Einsatz kommen.

Ca. 7 Tage nach dem Eingriff sind die transplantierten Follikel bereits fest und können nicht mehr ausfallen.

Durch eine tägliche Haar-Kopfwäsche mit mildem Shampoo (z.B. Babyshampoo oder Sebamedshampoo) und das Einweichen der Krusten mit Hilfe einer Lotion werden die Wundkrusten weich und fallen ab. Dies geschieht nach ca. 7-14 Tagen. Die Phase der Wundheilung ist dann beendet.

Diese Zeit nutzen viele Patienten für einen entspannten Urlaub, wofür normalerweise zwei Wochen ausreichen. Sind die Krusten abgefallen, erscheint die Kopfhaut zart Rosa bis Hellrot, wie es bei abgeheilten Wunden in der Regel üblich ist.

Bis die behandelte Haut sich wieder farblich normalisiert hat, können 1 bis 3 Monate vergehen, da dieser Prozess sehr individuell ist. Je heller und empfindlicher die Haut, desto länger ist sie gerötet. Bei dunkler Haut hingegen, ist die Rötung manchmal sogar nach 2-3 Wochen verschwunden.

Während dieser Zeit können die Bereiche mittels eines kosmetischen Abdeckstifts (Apotheken/Drogeriemärkte) der allgemeinen Hautfarbe angepasst werden. Zur weiteren Pflege und Regeneration der noch sensiblen Kopfhaut sind Pflegeprodukte wie Aloe Vera oder Panthenol empfehlenswert. Streuhaare können auch wieder benutzt werden.

Wurde bei der Eigenhaar-Verpflanzung die Steifentechnik (F.U.T. Methode) angewandt, dürfen die Fäden ungefähr 14 Tage nach dem Eingriff auch vom behandelnden Hausarzt entfernt werden. Bei Anwendung der F.U.E. Methode (Einzelhaarentnahme) entfällt das Ziehen der Fäden aufgrund der Einzelentnahme ganz.

Nach 4 Wochen

Innerhalb von 3-8 Wochen nach dem Eingriff verlieren die Patienten die versetzten Haare wieder. Dies ist der normale und erwartete Haarausfall nach einer Haartransplantation. 

Wie viele der transplantierten Follikel wieder ausfallen ist von Patient zu Patient unterschiedlich. In der Regel jedoch ca. 80-90%. Ein kleiner Teil jedoch wächst sofort weiter, ohne auszufallen.

Dieser Umstand ist kein Grund zur Sorge – die Transplantate (Grafts) erleiden einen Sauerstoffmangel, da sie im Rahmen der OP eine gewisse Zeit außerhalb ihres normalen Umfeldes verbringen. Vorübergehender Schockausfall wird diese Periode nach einer Haartransplantation in der Fachsprache auch genannt. Die Grafts verfallen nun in eine Ruhephase, wobei allerdings die „Haarpapille“ (verantwortlich für das Wachstum der neuen Haare) bereits optimal verankert ist.

Nur der Haarschaft fällt aus. Ca. 2-3 Monate später bilden sich neue Haare. Das erneute Wachstum nach der Haartransplantation setzt sichtlich und deutlich spürbar ein.

Wachstum Nach 3 Monaten

Etwa 3-5 Monate nach dem Eingriff startet langsam die Neubildung der Haare beziehungsweise Haarfollikel, wobei dieser Prozess unterschiedlich schnell (individuell) abläuft.

3 Monate nach Haartransplantation
3 Monate nach Haartransplantation

Innerhalb dieser Entwicklungsphase können sich eventuell minimale Pickel/Unebenheiten zeigen, da der neue Haarschaft durch die Haut schiebt. In seltenen Fällen kann die Kopfhaut noch etwas sensitiv und leicht gerötet sein. Darüber hinaus berichten viele behandelte von einem gewissen Taubheitsgefühl, in den ersten Monaten nach ihrer Haar-OP. Dies bezieht sich jedoch nur auf den Empfänger – und nicht den Spenderbereich. Mit der Zeit kommt das Gefühl zurück und die Taubheit lässt komplett nach. Einschränkungen im Alltag entstehen durch das Taubheitsgefühl jedoch nicht.

Die verpflanzten Haare wachsen in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Einige sind nach z.B. 3 Monaten schon 3-4 cm lang, die meisten jedoch erst wenige Millimeter kurz. Durch einen Haarschnitt beim Friseur kann die Haarlänge in dieser Anfangszeit angeglichen werden, sodass ein homogenes Haarbild entsteht. Das Schneiden der Haare mit einer Maschine (Friseur) ist nach 2 Monaten wieder gestattet. Davor ist eine Schere zu bevorzugen.

Erfahrungsgemäß gibt es nach ca. 15 – 16 Wochen nach der Eigenhaarverpflanzung den größten Wachstumsschub.

Wachstum Nach 6 Monaten

In kleinen Schritten füllt sich der behandelte Bereich innerhalb der nächsten sechs bis zehn Monate nach der OP mit kräftigen neuen Haaren.

6 Monate nach Haartransplantation
6 Monate nach Haartransplantation

Es wird dichter und dichter. Die Haare werden kräftiger und lassen sich dann auch wieder normal stylen und kämmen. Erste schöne Frisuren sind wieder möglich.
Nach 12 Monaten, wenn also 1 Jahr  seit der Haartransplantation vergangen ist, kann das Resultat der Behandlung im Spiegel bewundert werden. Die „Illusion“ von vollem Haar ist erreicht.

Allerdings bestehen auch herbei manchmal spezielle Ausnahmen. So kann sich zum Beispiel bei einigen Patienten erst nach etwa sechs bis acht Monaten erheblicher Wuchs der neuen Haare einstellen. Bei anderen zeigt sich dagegen schon nach drei bis fünf Monaten ein bemerkenswerter Haarwuchs und somit eine deutliche optische Aufwertung. Dies sind zwar seltene Ausnahmen, die jedoch erwähnenswert sind.

Wachstum 12 Monate nach der Haartransplantation

Innerhalb von zwölf Monaten, also 1 Jahr, nach der Eigenhaar-Verpflanzung sollten sämtliche neuen Haare Wachstum zeigen.

12 Monate nach Haartransplantation
12 Monate nach Haartransplantation

Sieht man einmal von der individuellen Anwuchsrate ab, können auch im Zeitraum von zwölf bis achtzehn Monaten nach Abschluss der OP positive Veränderungen auftreten. Da einzelne Haare vorerst sehr fein beziehungsweise filigran auftreten, werden diese im Verlauf der Zeit wesentlich an Umfang und Kraft gewinnen, wodurch wiederum ein beeindruckendes Volumen der Haarpracht entstehen kann.

Die verpflanzten Eigenhaare wachsen in der Regel über ein ganzes Leben weiter. Die neu gewonnenen Haare dürfen nach erreichen des Endergebnisses genauso behandelt werden, wie es die Patienten bisher mit ihren Haaren gewohnt waren. Modisches Stylen und frisieren mit Gel oder Haarspray ist erlaubt, wobei keine speziellen Produkte benötigt werden.

Die Wachstumsphasen nach einer Eigenhaar-Transplantation zusammengefasst:

Die Patienten sollten sich nach einer Eigenhaar-Transplantation grundsätzlich an die Anweisungen ihres Chirurgen halten, da ein Fehlverhalten das Endergebnis negativ beeinflussen kann.

Der natürliche Heilungsprozess einer Eigenhaar-Transplantation beinhaltet, dass die minimalen Einschnitte im Empfängerbereich sowie die Narbe des Entnahmegebietes dünne Schorfkrusten entwickeln. Während der Wundheilungs-Phase, etwa zwei Wochen nach dem Eingriff, verschwinden diese allerdings von selbst.

In den Folgewochen fällt auch ein großer Teil der versetzten Haare aus, wofür die reduzierte Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr verantwortlich ist (Schockausfall). Dieser Prozess ist absolut natürlich und sollte den Patienten keine Sorgen bereiten. Dieser Vorgang stellt allerdings keine Zerstörung der Follikel dar, da sich nach ungefähr drei bis sechs Monaten kraftvolle neue Haare ausbilden.

Nach manchen Behandlungen wie zum Beispiel einer Verdichtung, können neben den verpflanzten Haaren auch umliegende Haare ausfallen. Letztere wachsen jedoch ebenso kräftig nach wie die Transplantate. Dieser Vorgang wird als „Shock Loss“ bezeichnet und ist lediglich eine kurzzeitige sowie meistens temporäre Erscheinung, welche sich nur bei einigen Patienten zeigt. Ursache ist wahrscheinlich der Stress, den ein operativer Eingriff ausgelöst.

Die transplantierten Follikel produzieren bereits direkt im Anschluss an die Verpflanzung neue Haare, welche nach circa drei Monaten als flachsartig und filigran zu beschreiben sind. Diese werden stetig fester und kräftiger, sodass nach ungefähr zwölf Monaten das Endresultat deutlich zu sehen ist.

In der Regel produzieren sämtliche versetzten Eigenhaare erneut kräftige Haare, allerdings gibt es auch hier seltene Ausnahmen. Somit ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich mit viel Geduld auf das Endergebnis zu freuen.

Clemens Weber

Seit 2011 beschäftigt er sich mit dem Thema Haartransplantation und unterstützt Betroffene von Haarausfall dabei, den richtigen Arzt zu finden. Als Experte und Berater hat er bereits über 1200 Menschen vor, während und nach ihrer Haarverpflanzung betreut und begleitet.

Sein Youtube Kanal: Der HT Experte