Arten von Haarausfall: Ursachen & was man dagegen unternehmen kann
Haarausfall

Haarausfall: Arten, Ursachen & was man dagegen unternehmen kann

Volles, glänzendes Haar ist nicht nur ein Zeichen für Vitalität und Gesundheit, sondern wird auch als attraktiv wahrgenommen. Dementsprechend belastend kann es sein, wenn die Haare vermehrt ausgehen. Doch ab wann spricht man eigentlich von Haarausfall? Welche Arten gibt es und was kann dagegen unternommen werden? Das alles erfahren Sie hier.

Wie viel Haarausfall ist normal?

Wie viele Haare hat ein Mensch eigentlich auf dem Kopf? Das hängt ganz von der Haarfarbe und Ethnie ab. Blonde Menschen weisen mit 150.000 Haaren am meisten Haare auf, während

Es ist normal, dass man 70-100 Haare am Tag verliert

Rothaarige immerhin auf etwa 90.000 Haare kommen. Weil Brünette und Schwarzhaarige aber dickere Haare haben, wirken sie oftmals zahlreicher als die feineren blonden und roten Haare.

Bei so vielen Haaren am Kopf ist es daher ganz normal, dass man etwa 70-100 Haare pro Tag verliert. Erst, wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausgehen, spricht man dann tatsächlich von Alopezie. Ist das der Fall, ist neben dem Hausarzt vor allem der Dermatologe der richtige Ansprechpartner.

Diagnose von Haarausfall

Wer vermehrt Haare in der Bürste oder kahle Stellen am Kopf entdeckt, wird oft panisch und möchte am liebsten sofort etwas dagegen unternehmen. Dazu ist es jedoch erst einmal wichtig, herauszufinden, an welcher Form von Alopezie man denn eigentlich leidet. Ausschlaggebend sind dann vor allem die Krankheitsgeschichte und das Muster, in dem der Haarverlust auftritt.

Meistens wird auch der sogenannte Zupftest angewendet. Dabei nimmt der Arzt etwa 50-60 Haare zwischen zwei Finger und zieht leicht daran. Wenn sich mehr als zehn Haare lösen, kann das auf Haarausfall deuten. Danach werden neben der Kopfhaut und den Haaren selbst meist zusätzlich die Blutwerte untersucht, um festzustellen, um welchen Haarverlust es sich handelt. Im Folgenden sehen wir uns nun die drei häufigsten Arten von Alopezie etwas genauer an.

Erblich bedingter Haarausfall: androgenetische Alopezie

Etwa 95% aller Haarausfälle gehen auf eine ganz natürliche Alterserscheinung zurück: den erblich bedingten Haarausfall. Diese Alopezie ist zwar genetisch bedingt, das heißt aber nicht, dass sie automatisch bei jedem Familienmitglied gleich abläuft. Von diesem Haarschwund sind sowohl Männer als auch Frauen betroffen. Die Symptome äußern sich bei den Geschlechtern jedoch jeweils ein wenig anders.

Erblicher Haarausfall bei Männern und Frauen

Bei Männern werden die verschiedenen Stadien der androgenetischen Alopezie meist nach dem Hamilton-Norwood-Schema klassifiziert. Dabei beginnt der Haarverlust mit den berühmten Geheimratsecken und der Entwicklung einer Tonsur.

glatze bei haarausfall

Bei erblich bedingtem Haarausfall bleiben nur am Hinterkopf einige Haare

Nach und nach breiten sich die kahlen Stellen am Kopf dann immer weiter aus, bis schließlich außer einem kleinen Haarkranz am unteren Teil des Hinterkopfes eine vollständige Glatze besteht.

Bei Frauen verläuft der androgene Haarausfall nach dem Ludwig-Schema. Dabei beginnt sich das Haar im Scheitelbereich nach und nach zu lichten und wird immer dünner.

Üblicherweise bekommen Frauen aber keine vollständige Glatze und behalten ihre Haare insgesamt etwas länger als Männer. Das Ausdünnen der Haare ist bei Frauen vor allem ab den Wechseljahren deutlich sichtbar.

Anlagenbedingter Haarverlust: die Gründe

Der Auslöser für diesen Haarschwund ist das Steroidhormon DHT (Dihydrotestosteron), ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Wenn in der Kopfhaut viel DHT vorhanden ist, reagieren die Haarfollikel mit der Zeit immer empfindlicher darauf und ihr Wachstum wird deutlich verkürzt. Das Ergebnis: Die Haare werden stets dünner und fallen mit zunehmendem Alter immer mehr aus.

Dieser Haarverlust lässt sich leider nur teilweise stoppen. Da das Ausfallen der Haare nicht von äußerlichen Einflüssen oder von Krankheiten abhängig ist, kann man diesem Zustand weder vorbeugen noch ihn rückgängig machen. Um die Haare zu retten, helfen dann nur noch starke Medikamente oder eine Haartransplantation.

Kreisrunder Haarausfall: Alopecia areata

Im Gegensatz zum erblichen Haarverlust ist der kreisrunde Haarausfall krankheitsbedingt.

kreisrunder haarausfall

Kreisrunder Haarausfall ist für gewöhnlich erblich bedingt

Charakteristisch sind dabei runde, kahle Bereiche, die sich innerhalb von kurzer Zeit und scheinbar ohne Grund zu bilden scheinen.

Diese Form der Alopezie kommt zwar eher selten vor, doch allein in Deutschland leiden immerhin über eine Million Menschen daran. Häufig kommen diese haarlosen Stellen bei Kindern und jungen Erwachsenen vor.

Symptome des kreisrunden Haarausfalls

Bei der Alopecia areata tauchen plötzlich einzelne kahle Flecken auf, die etwa münzgroß sind. Die haarlosen Stellen kommen meistens am Kopf vor, können jedoch auch am Bart oder an anderen Körperstellen entstehen.

Die Kopfhaut ist nicht gerötet, sondern weist stattdessen eine helle Hautfarbe auf. Typisch sind sogenannte Ausrufezeichenhaare am Rand der kahlen Stellen. Sie werden zu den Poren hin dünner und lassen sich meist ganz leicht herausziehen.

Was sind mögliche Ursachen?

Leider sind die genauen Ursachen dieser Krankheit immer noch nicht genau bekannt. Mediziner vermuten aber, dass der Grund in einer Störung des eigenen Immunsystems liegt. Der Abwehrstoffe des Körpers beginnen dabei, die eigenen Haarwurzeln zu attackieren. Dadurch entstehen Entzündungen, die das Haarwachstum stoppen und die Haare ausfallen lassen.

Da das Auftreten dieser blanken Stellen in Familien gehäuft aufzutreten scheint, kann möglicherweise auch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen. Wenn die runden Flecken auftauchen, lautet die Devise aber erstmal: Ruhig bleiben. Denn meistens verschwinden sie von ganz allein wieder. Bei schwereren Fällen können dann Tinkturen oder spezielle Therapien zum Einsatz kommen.

Diffuser Haarausfall: diffuse Alopezie

Beim diffusen Haarausfall fällt das Haar nicht in bestimmten Mustern oder an bestimmten Stellen, sondern relativ gleichmäßig am ganzen Kopf aus. Das Kopfhaar wird immer lichter, bis die Haare schließlich komplett verschwinden. Frauen sind häufiger von diesem Haarverlust betroffen als Männer.

Der diffuse Haarverlust ist jedoch meistens nur vorübergehend und kann durch bestimmte Maßnahmen wieder behoben werden. Was diese Form der Alopezie aber so heikel macht, ist, dass die Ursachen dafür äußerst vielfältig sein können.

Hormonell bedingter Haarverlust

Diffuser Haarverlust kann beispielsweise hormonell bedingt sein. Viele Frauen leiden nach einer Schwangerschaft unter vermehrtem Ausfallen der Haare, weil der Östrogenspiegel, der vor der Geburt noch sehr hoch war, wieder sinkt.

haarausfall durch hormonelle schwankungen

Manche Frauen verlieren nach der Geburt des Kindes viele Haare.

Auch nach Absetzen der Antibabypille geht der Östrogenspiegel plötzlich nach unten, was vermehrten Haarverlust verursachen kann.

Nach ein paar Wochen reguliert sich das Haarwachstum in beiden Fällen aber von selbst wieder.

Die Schilddrüse kann ebenfalls ein Auslöser für Haarverlust sein. Produziert sie nämlich zu viele oder zu wenige Hormone, werden die Haare brüchig und fallen aus. Sobald die Schilddrüsenerkrankung jedoch behandelt wird, wachsen auch die Haare wieder.

Zu einer hormonellen Umstellung kommt es im weiblichen Körper zudem während der Wechseljahre. Die Zahl der weiblichen Sexualhormone sinkt und viele Frauen bemerken, dass dann vermehrt Haare ausfallen.

Diffuser Haarausfall durch Stress

Stress ist ein nicht zu unterschätzender Auslöser für Alopezie. Er kann dabei ein unterstützender Faktor des Haarverlustes oder auch die Hauptursache sein. Stress erhöht in den Haarfollikeln die Konzentration von Botenstoffen wie Noradrenalin. Dadurch werden entzündliche Vorgänge ausgelöst, die die Haarfollikel in die Ruhephase drängen und schließlich dazu führen, dass die Haare ausgehen.

Der Stress kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Egal ob Überarbeitung, private oder emotionale Probleme – bei einem chronisch hohen Stresslevel müssen die Haare darunter leiden. Wer durch Entspannungstechniken, Ruhepausen und ausreichend Schlaf sein Stresslevel etwas senkt, kann den Haarverlust in der Regel aber gut stoppen.

Mangelernährung lässt die Haare ausfallen

Häufig ist ein Schwund der Haare auch das Ergebnis einer unausgewogenen Ernährung. Radikale Diäten, Essstörungen oder schlichtweg zu wenige Nährstoffe können zu einer Störung des Haarwuchszyklus führen.

diät haarverlust

Wer schnell viel abnimmt, leidet nicht selten auch unter Haarverlust

Besonders Zink, Eisen und Vitamine sind für den Körper wichtig, um ein gesundes Haarwachstum zu garantieren.

Durch eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wird der Organismus aber wieder mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt.

Weitere Ursachen für das Ausgehen der Haare

Es gibt jedoch noch viele andere Gründe für diffusen Haarausfall. So kann er als Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten, vor allem zur Krebsbehandlung, auftreten. Infektionen und Hauterkrankungen wie Pilzerkrankungen oder Schuppenflechten an der Kopfhaut können ebenso eine Ursache sein wie Vergiftungen, beispielsweise durch Schwermetalle.

Was tun gegen Haarausfall?

Wurde die Ursache für das Ausgehen der Haare vom Arzt festgestellt, kann in den meisten Fällen etwas unternommen werden, dass der Haarverlust gestoppt oder wenigstens eingedämmt wird. Dazu gibt es je nach Art des Haarverlustes verschiedene Möglichkeiten.

1. Medikamente als Mittel gegen Haarausfall

Es gibt nur zwei Medikamente, mit denen der Haarausfall nachweislich angekämpft werden kann. Medikamente, die den Arzneistoff Minoxidil enthalten, stoppen den Ausfall der Haare und regen das Haarwachstum wieder an.

Es ist als Lösung oder Schaum erhältlich und wird einfach auf die entsprechende Haarpartie aufgetragen. Dort erweitert es die Blutgefäße und regt die Blut- und Nährstoffversorgung des Haares an. Dadurch leiden die Haare nicht mehr an Mangelversorgung und werden wieder dichter – der Haarverlust wird gestoppt. Nach einigen Monaten sind dann erste Ergebnisse zu sehen. Das Mittel kann von Männern und von Frauen verwendet werden.

Für Männer gibt es außerdem die Möglichkeit, Medikamente mit Finasterid einzunehmen. Das Arzneimittel ist rezeptpflichtig und wird oral eingenommen. Durch den Stoff wird das das DHT im Körper gehemmt und die Haarfollikel reaktiviert. So können die Haare wieder besser wachsen und der Haarausfall wird effektiv eingedämmt. Allerdings kann der Eingriff in den Hormonhaushalt fallweise einige Nebenwirkungen zur Folge haben. So kann neben der Libido eventuell auch die Fruchtbarkeit darunter leiden.

Obwohl diese beiden Medikamente den Haarausfall stoppen und das Haar wieder kräftiger machen, wirken sie nur so lange, wie man sie auch einnimmt. Das heißt: Sobald die Medikamente abgesetzt werden, werden die Haare wieder schwächer und beginnen, erneut auszufallen. Der Haarausfall wird damit also nur hinausgezögert.

2. Welche Hausmittel gegen Haarausfall helfen

Es ist kein Zufall, dass bereits in diversen Haarshampoos Aloe Vera enthalten ist, denn ihr Gel soll das Haarwachstum positiv beeinflussen.

aloe vera gegen haarverlust

In Shampoos gegen Haarverlust ist häufig Aloe Vera enthalten.

Auch Apfelessig soll die Widerstandsfähigkeit der Haare steigern und kann im Verhältnis 1:5 mit Wasser auf die Kopfhaut aufgetragen werden.

Die Brennnessel zählt als Tinktur aufgetragen ebenfalls zu den bewährten Hausmitteln gegen Haarverlust, da sie wertvolle Nährstoffe enthält.

3. Globuli bei Haarverlust

Je nach Ursache bietet auch die Homöopathie Möglichkeiten an, um den Verlust des Kopfhaares etwas einzudämmen. Bei kreisrundem Haarausfall kann Barium Carbonicum D12 eingenommen werden. Speziell für die Wechseljahre gibt es Sepia D12. Wenn nicht anders verschrieben, können davon 3x täglich je 5 Globuli eingenommen werden.

4. Schüssler Salze gegen Haarausfall

Auch Schüssler-Salze können eingenommen werden, um das Haarwachstum zu unterstützen und einen Ausfall etwas zu hemmen. Bei kreisrundem Haarausfall kann vor allem Nr. 5 Kalium phosphoricum als Salbe oder Tablette eingesetzt werden. Gegen diffusen Haarverlust soll vor allem Nr. 11 Silicea gute Ergebnisse zeigen, wenn es über mehrere Monate eingenommen wird. Nr. 21 Zincum chloratum kann zusätzlich gegen das Ausdünnen und Ausfallen der Haare helfen.

5. Haartransplantation

Das wohl bewährteste Mittel gegen erblich bedingten Verlust der Haare ist eine Transplantation von Eigenhaar.

ergebnis haartransplantation

Eine Haartransplantation sorgt für volles Haar.

Gesunde Haare werden dabei vom Kopf entnommen und an bedürftigen Stellen wieder eingepflanzt.

Obwohl es sich um eine Operation handelt, gilt der Eingriff heute als sehr risikoarm und kann gute Ergebnisse erzielen.

95% der transplantierten Haarfollikel wachsen gut an und nach etwa einem Jahr ist das Ergebnis – ein volleres, dichteres Haar, deutlich zu sehen.

Bei vermehrtem Haarverlust gilt also: Nicht verzweifeln! Denn nach einem Besuch beim Dermatologen kann je nach Art der Alopezie schließlich einiges unternommen werden, um den Haarverlust zu stoppen oder einzudämmen.