DHI Haartransplantation

Im Bereich der Haartransplantationen tauchen von Zeit zu Zeit immer mal wieder „neue“ Methoden (z.B. DHI, Perkutan, Sapphire), Ideen oder vorgebliche Verbesserungen auf, die meist als Innovation bezeichnet werden, oft aber bei näherem Hinsehen die abgegebenen Versprechungen nicht halten können.

Nicht selten kommt der Verdacht auf, dass sich hier erst kurz am Markt befindliche Mitbewerber einen Vorteil gegenüber den etablierten Anbietern verschaffen wollen, indem eine Technik beworben wird, die besser als die bestehenden Methoden sein soll.

Darunter fällt auch die sogenannte DHI Haartransplantation.

Um was es bei DHI geht und ob diese Methode tatsächlich besser als bestehende Techniken ist, soll im nachfolgenden Artikel erläutert werden.

Wofür steht DHI und FUE?

DHI = Direkte Haar Implantation (Direct Hair Implantation)

FUE = Extrahierung einer follikulären Einheit (Follicular Unit Extraction)

Oft fragen sich Interessenten, welche Methode, „DHI“ oder „FUE“, besser ist?

Allein diese Frage ist jedoch in sich falsch – denn die Begriffe beschreiben zwei unterschiedliche Phasen einer Haartransplantation.

Mit Hilfe der FUE Technik werden die Spenderhaare entnommen (Entnahmeprozess).

DHI steht für die Art und Weise der Implantation.

DHI und FUE sind daher nicht vergleichbar!

Ablaufphasen einer Haartransplantation

1. Entnahme der Spenderaare (z.B. mit der FUE oder FUT Technik)

2. Implantation der Haare (z.B. DHI, Stick&Place oder Kanalöffnung und Einsetzen)

Ca. 90% aller Kliniken weltweit öffnen zunächst so genannte „Empfangskanäle“.

Dies geschieht mit feinen Stahlklingen (ähnlich einer Rasierklinge in Miniformat).

Im Anschluss werden die extrahierten Grafts in die gestochenen Kanäle mit Pinzetten eingesetzt.

Bei der DHI werden diese zwei Schritte vereint (Kanalöffnung und Einsetzen): Mit Hilfe von Implantationsstiften (z.B. Choi Implanter) werden die Grafts direkt in die Kopfhaut implantiert.

Bei beiden Methoden der Implantation sind die Haare letztendlich in der Kopfhaut. Nur der Weg dorthin ist ein anderer.

DHI / Choi Implantation im Detail

Die Spendergrafts werden im Rahmen einer direkten Haarimplantation (DHI) mit Hilfe eines Implantationsstiftes in die Kopfhaut verpflanzt.

Es gibt verschiedene Hersteller und Marken. Z.B. Lion oder Choi Implanter.

Innovativ oder neu sind die Implanter Stifte nicht.

Bereits in den 90er Jahren hat der koreanische Arzt Dr. Choi mit diesem Instrument gearbeitet.

Bei asiatischen Patienten kommt relativ oft der Choi Implanter zum Einsatz, da gerade, robuste Haare, wie bei Asiaten vorzufinden, eher geeignet sind, als z.B. gewellte oder feine Haare.

Bevor das Haar mit dem Implantationsstift in die Kopfhaut eingesetzt wird, muss es, mit Hilfe einer Pinzette, in den Choi Implanter eingelegt werden.

Hier kann es zu einer Verletzung oder Trauma der Haarfollikel kommen.

Auf diesen Nachteil werden wir später näher eingehen.

Mögliche Vor-und Nachteile der DHI Haartransplantation

Vorteile

Die Transplantation mit Hilfe eines Stiftes bietet sich besonders bei Frauen an, da oft zwischen bestehende Haare transplantiert werden muss (z.B. bei einem ausgedünnten Mittelscheitel).

Die Haarverpflanzung bei Frauen erfolgt also mit einer nur teilweisen Rasur. Lediglich im Spenderbereich muss etwas rasiert werden, um die Haare per FUE Technik entnehmen zu können.

Die Haare im Empfängerbereich können bei weiblichen Patienten lang bleiben.

Im Allgemeinen kann DHI / Choi bei leichten Verdichtungen (bei Frauen oder Männern), bei denen auf eine komplette Rasur verzichtet werden soll, von Vorteil sein.

Die Spenderhaare werden mit Hilfe des „Implanter Pens“ direkt in die Haut, zwischen das bestehende Haar, implantiert.

Hinweis: Grundsätzlich kann am präzisesten gearbeitet werden, wenn der Kopf voll und ganz kurz geschoren ist.

Der Arzt hat dann die beste Sicht. Es sind keine Haare „im Weg“.

Bei speziellen Formen der Haartransplantation, z.B. Augenbrauen oder Schläfen, kann DHI von Vorteil sein.

Mit Hilfe der Choi Stifte können die Haare in extrem spitzen Winkeln, wie bei Augenbrauen erforderlich, verpflanzt werden. Für ein natürliches Aussehen sind die richtigen Winkel und Wuchsrichtungen der transplantierten Haare essenziell.

Es ist möglich im Rahmen einer DHI Haartransplantation die Grafts sehr, sehr dicht nebeneinander zu setzen (Dense Packing).

Jedoch ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sehr dichte Transplantationen auch erhebliche Nachteile mit sich bringen können.

Zum einem kann die Anwuchsrate leiden, wenn die Haare zu dicht implantiert werden. Das heißt, die Haare wachsen hinterher weniger dicht, als implantiert (viele Haare sind nicht gewachsen).

Es kann im schlimmsten Fall sogar zu einer Nekrose kommen (Gewebetod), was dazu führt, dass an entsprechender Stelle gar keine Haare wachsen (Narbenbildung).

In Bezug auf die Langzeitplanung muss auch weiterer Haarausfall des Patienten beachtet werden.

Es macht daher häufig wenig Sinn z.B. vorne in der Haarlinie extrem dicht zu transplantieren und bereits dafür einen Großteil der begrenzten Spenderhaare zu verbrauchen.

In Zukunft können dem Patienten Spenderhaare fehlen, wenn auch der Oberkopf und die Tonsur von Haarausfall betroffen sind.

Nachteile

Ein bekannter Nachteil von DHI Implantationsstiften ist der Umstand, dass es zu Verletzungen der Grafts kommen kann.

Diese müssen nämlich alle einzeln in das Instrument eingelegt werden.

Erst dann erfolgt die Transplantation.

Ihren Ursprung hatten die Choi Werkzeuge im asiatischen Raum. Asiaten haben gerade und eher dickere Haare. Aus diesem Grund konnte man bei asiatischen Patienten gut Erfahrungen mit DHI machen.

Bei feinen und/oder lockigen Haaren kann es beim „Laden“ der Implanter Pens zu Verletzungen kommen.

Abhängig ist dies von der Erfahrung und Kompetenz der Person, die die Grafts in die Stifte einlegt.

Während der Implantation kann es zu so genanntem „Popping“ der Grafts kommen (=Nachteil).

Dies bedeutet, dass ein bereits eingesetztes Transplantat wieder aus der Kopfhaut herauskommt, sobald ein Transplantat an anderer Stelle implantiert wird.

Ursachen können z.B. die Elastizität der Haut und sehr dichtes implantieren sein.

Nachteilig ist der Umstand des „Poppings“, da die Transplantete wieder berührt und erneut implantiert werden müssen – wodurch die Grafts traumatisiert und beschädigt werden können.

Hinweis: „Popping“ tritt auch bei herkömmlicher Implantierung (Empfangskanäle + Einsetzen) in Erscheinung und kann durch einen befähigten und erfahrenen Behandler minimiert werden.

Ein großer Nachteil für Patienten können Kliniken sein, in denen nicht mehr der Arzt selbst die Implantation mit DHI vornimmt, sondern verschiedene Hilfskräfte.

Besonders in türkischen Massenkliniken ist dies in der Regel der Fall.

Wenn mehrere, ggf. unerfahrene Personen die Grafts per DHI implantieren, kann es zu unterschiedlichen Wuchsrichtungen und Winkeln kommen (= unnatürliches Ergebnis).

Darüber hinaus braucht es Zeit und Fingerfertigkeit, um die Choi Stifte adäquat zu bedienen.

Die Ausbildung und Schulungen sollten dementsprechend geplant und ausführlich sein.

Leider ist dies in der Türkei (Istanbul) oft nicht der Fall, da die Ärzte nur noch selten in die OP involviert sind und täglich10-20 Patienten behandelt werden.

Der Fokus liegt auf der Quantität, nicht auf der Qualität.

Hinweis: Die Partnerärzte von Health Travels führen die Transplantationen noch eigenhändig durch und behandeln nur 1 Patienten am Tag. DHI wird nicht präferiert.

Die Kosten einer DHI Haartransplantation sind in der Regel höher als bei der weiter verbreiteten Kanalöffnung mit Stahlklingen.

Der Verschleiß der Choi Implanter Stiften ist hoch. Evtl. wird sogar mehr Personal zum Einlegen der Grafts in die Stifte benötigt.

Weniger als 10% aller Kliniken weltweit machen von der DHI Methode Gebrauch.

Über 90% auf der anderen Seite haben gute bzw. bessere Erfahrungen mit der herkömmlichen Technik gemacht: Öffnen der Kanäle und anschließendes Einsetzen der Haare in die Kanäle.

DHI / Choi gibt es bereits seit den 90er Jahren – konnte sich aber bis heute weltweit nicht durchsetzen.

Heilen die Wunden bei der DHI Methode schneller?

Das wäre ein medizinisches Wunder, denn die Mikrowunden, die während der herkömmlichen Einpflanzung (Kanalöffnung + Einsetzen) eingebracht werden, sind nicht größer als die, die Hohlnadel der DHI Methode erzeugt.

Ob DHI / Choi oder herkömmliche Implantation, ein Zeitraum von rund zehn Tagen zur Abheilung der Wunden bleibt der Standard.

Danach ist der Patient in der Regel wieder gesellschaftsfähig und kann langsam Sport zu treiben.

Auch in Bezug auf Schmerzen gibt es keine Unterschiede.

Der Eingriff mit Hilfe der FUE Technik und DHI ist sehr schmerzarm.

Nur bei der älteren FUT Streifentechnik muss der Patient mit mehr Schmerzen, sowohl während als auch nach der Operation rechnen. FUT ist invasiver als FUE.

Ist der Haarwuchs dichter und die Wuchsrichtung natürlicher?

Diese beiden wichtigen Fragen sind nicht wirklich vom Einsatz eines Implantatstiftes abhängig, sondern von der Erfahrung des durchführenden Chirurgen.

Je mehr Operationen ein Arzt durchgeführt hat, desto mehr bekommt er oder sie ein Gespür dafür, wie die einzupflanzenden Haare an den kahlen Stellen anzuordnen sind.

Es spielt folglich keine Rolle, ob der Chirurg mit einem Implantstift arbeitet oder mit Hilfe von Klingen zunächst die Empfangskanäle öffnet.

DHI Haartransplantation: Erfahrungen, Ergebnisse und Vorher Nachher Fotos

Aufgrund verstärkter Marketingaktivitäten einiger (türkischer) Kliniken, steigt auch das Interesse von Betroffenen.

Immer häufiger werden Begriffe wie „DHI Haartransplantation Erfahrungen“ im Internet gesucht.

Auch auf Youtube und anderen sozialen Medien (Instagram, Facebook) präsentieren Ärzte und Kliniken mehr und mehr Ergebnisse (Vorher Nachher Videos) von Haartransplantationen mit DHI.

Ein signifikanter Unterschied zur herkömmlichen Implantation ist jedoch nicht vorhanden bzw. nicht sichtbar.

Viel wichtiger als die Technik oder die Instrumente, die verwendet werden, sind die Personen, die tatsächlich am Kopf des Patienten arbeiten.

Deren Erfahrungen, Fähigkeiten, Kompetenzen und Referenzen, wie z.B. Ergebnisse nach 12 Monaten, die anhand von Vorher Nachher Fotos und/oder Videos dokumentiert werden.

Der Unterschied zwischen wirklich guten Kliniken und schlechten bzw. durchschnittlichen Klinken liegt häufig im Detail.

Daher sollte man bei Vorher Nachher Ergebnissen besonders auf Merkmale wie Natürlichkeit, Dichte, Wuchsrichtung der Haare, Unversehrtheit des Spenderbereichs etc. achten.

Wie hoch sind die Kosten der DHI Methode? Vergleich Deutschland vs. Türkei

Wie hoch sind die Preise für eine Haartransplantation mit der DHI Methode?

Automatisch befasst sich jeder suchende mit dieser Thematik. Aufgrund des etwas höheren Instrumentenverbrauchs (Implantationsstifte) und des teilweisen Mehrbedarfs an Personal (Assistenten) sind die Kosten in vielen Kliniken, die DHI / Choi anbieten, etwas höher.

Bei türkischen Kliniken macht der Preisunterschied jedoch nur wenige hundert Euro aus.

In Spanien zum Beispiel gibt es einige sehr gute Ärzte, die erfolgreich DHI anwenden, sich einen guten Ruf aufgebaut haben und dementsprechend hohe Preise verlangen – ca. 4-5 Euro pro Transplantat.

Langsam, aber sicher schwappt der (nicht gerechtfertigte) „DHI Hype“ auch nach Deutschland über.

Teilweise lassen deutsche Kliniken ausländisches Personal einfliegen und verfolgen eine ähnliche Strategie wie türkische Massenkliniken: möglichst viele Patienten zum kleinen Preis.

Dies bedeutet, dass auch Haartransplantationen im Allgemeinen in Deutschland (z.B. in Berlin, Düsseldorf oder Köln) erschwinglicher werden.

Darunter sollte jedoch nicht die Qualität leiden.

Denn eine Eigenhaarverpflanzung plant man für das ganze Leben und es ist sehr schwer eine falsche, unnatürliche Arbeit wieder rückgängig zu machen.

Zusammenfassend kann klar und deutlich gesagt werden, dass (DHI) Transplantation in der Türkei nach wie vor deutlich kostengünstiger sind als in Deutschland, der Schweiz oder anderen westeuropäischen Ländern.

Ein weiterer wichtiger Faktor in Bezug auf die Kosten und Preise, sei es z.B. in Istanbul (Türkei) oder Frankfurt (Deutschland) ist, ob ein Arzt persönlich die OP durchführt oder alles, von A-Z, von Hilfskräften erledigt wird.

Fazit

  • DHI ist weder neu noch innovativ. Bereits in den 90er Jahren wurde in Asien mit den so genannten Choi Implantationsstiften gearbeitet.
  • Kann nicht mit FUE verglichen werden (FUE = Haarentnahme, DHI = Haarimplantation)
  • Kosten können variieren – je nach Land, Klinik, Arzt oder Assistent
  • Es gibt verschiedene (mögliche) Vor – und Nachteile der DHI Methode, deren Ausmaß jedoch vom Behandler abhängig ist. Ein guter Arzt erzielt sowohl mit DHI, als auch mit der herkömmlichen Implantation gute Ergebnisse und umgekehrt.
  • Nicht die Technik oder das Instrument ist entscheidend, sondern der Arzt.
  • Die Auswahl einer Klinik oder eines Arztes sollte nicht anhand von Instrumenten oder Techniken, sondern anhand von Merkmalen wie Erfahrung, Kompetenz, Ergebnissen, Vorher Nachher Fotos / Videos und Langzeitplanung getroffen werden.

Clemens Weber

Seit 2011 beschäftigt er sich mit dem Thema Haartransplantation und unterstützt Betroffene von Haarausfall dabei, den richtigen Arzt zu finden. Als Experte und Berater hat er bereits über 1200 Menschen vor, während und nach ihrer Haarverpflanzung betreut und begleitet.

Sein Youtube Kanal: Der HT Experte