Haarausfall - was hilft wirklich?
Haarausfall, Haartransplantation

Haarausfall: Was hilft wirklich? 5/5 (2)

Viele Männer sind davon betroffen, dem erblichen Haarausfall. Rund 80 % aller Europäer und von europäischen Auswanderern abstammende männliche Personen haben mit dieser Problematik zu kämpfen. Ein Problem im Übrigen, das wirklich uralt ist. Nach jüngsten Forschungen geht der ererbte Haarausfall auf einen Gen-Defekt zurück, der bereits in den Vorläufer-Arten des heutigen Menschen, des Homo sapiens, aufgetreten ist. Vermutlich schon bei Homo erectus und dem Neandertaler.

HaarausfallDass die Halbglatze, die Vollglatze, die Tonsur oder die Geheimratsecken nun schon so lange bestehen, ist für die betroffenen Personen wohl kaum ein Trost. Volles und dichtes Haar wünscht sich wohl jeder Mann, denn es ist ein Zeichen von Vitalität und Jugend und dies keineswegs erst im 21. Jahrhundert. Schon vor gut 4000 Jahren trugen im alten Ägypten sowohl Frauen wie Männer Perücken. Ihre absolute Blütezeit erlebte die Perücke zur Kaschierung von Haarausfall jedoch in Europa vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhundert. Das Zeitalter des Barock war auch das Zeitalter der Perücke. Zur Mitte des 18. Jahrhundert herum wurden aber auch schon erste Versuche mit Haartransplantationen durchgeführt, die jedoch von wenig Erfolg gekrönt waren. Immerhin wusste zu dieser Zeit noch niemand etwas von Abstoßungsreaktionen und genauso wenig gab es brauchbare Betäubungsmittel.
Bis zur wirklich erfolgreichen ersten Haartransplantation sollte es noch über 200 Jahre dauern. Bis dahin versuchten es die vom Haarausfall betroffenen Männern mit allerlei Medizin.

Medizin gegen Haarausfall: Was hilft wirklich?

Medikamente nach einer HaarverpflanzungMittel gegen Haarausfall gibt es vermutlich schon so lange, wie es Menschen gibt. Die Rezepturen bestanden dabei über Jahrtausende hinweg meist so ziemlich aus allem, was die Pflanzenwelt zu bieten hatte. Mit der Entdeckung der neuen Welt im 15. Jahrhundert sowie den Asienreisen der Händler kamen dann noch exotische Bestandteile hinzu. Von A wie Apfelessig über K wie Kokosnussöl bis Z wie Zitronensaft wurde aus allem eine Tinktur gemacht, die vorzugsweise aufzutragen war oder noch immer ist. In den Suchmaschinen des Internets finden sich nach wie vor unzählige Hausmittel, die gegen Haarausfall wirken sollen.

In der harten Realität zeigt es sich jedoch, dass keines dieser Hausmittel den empirischen Beweis seiner Wirksamkeit antreten kann. Sehr oft ist es einfach die Hoffnung, dass betroffene Personen eine Wirksamkeit in der Anwendung derartiger Hausmittel sehen. Eine tatsächliche Nachweisbarkeit konnte bisher nicht erbracht werden.

Auch die heutigen Versuche, Heilmittel oder Medikamente auf wissenschaftlicher Basis herzustellen, sind kaum Erfolgreich. Was nicht bedeuten soll, dass sie deswegen nicht verkauft werden. Wurden den Tinkturen des Mittelalters von den Händlern noch verkaufsfördernde Zauberkräfte zugeschrieben, so kommen heute andere Schlagworte zum Einsatz, dem Bildungsstand der Zeit angemessen. Vor allem mit den Vitaminen B1 und B5 wird gerne geworben, denn diese sind an der Zellteilung im Körper und damit auch der Produktion von Haarzellen beteiligt. Vitamine allgemein werden heute gerne als die ultimative Lösung für so ziemlich jede Krankheit angesehen, dabei ist ihre Wirksamkeit weit geringer, als meist angenommen. So wurde erst kürzlich festgestellt, dass beispielsweise Vitamin C nicht die geringste Wirkung gegen grippale Infekte besitzt und auch nicht der Vorbeugung dient. Ob jemand das für den Körper notwendige Vitamin C über die normale Nahrung aufnimmt oder extra Tabletten kauft, macht keinen Unterschied. Ähnlich verhält es sich mit den Vitaminen B1 oder B5 gegen Haarausfall. In der modernen Ernährung eines gesunden Menschen und bei einer normalen Lebensweise tritt praktisch nie eine Unterversorgung von Vitaminen auf. Der oft beschworene Vitaminmangel ist schlicht eine Erfindung der Pharmaindustrie. Zu welchem Zweck dürfte bei der riesigen Menge an angebotenen Vitaminpräparaten ersichtlich sein.

Welche Medizin hilft denn nun wirklich gegen Haarausfall?

Aktuell bestehen eigentlich nur zwei Medikamente, deren Wirkung nachgewiesen ist. Allerdings darf bei beiden Mitteln nicht erwartet werden, dass sich etwa die Haarpracht wieder einstellt, die fast jeder Mann im Alter von 15 Jahren hatte.

Minoxidil oder Regaine

Das erste zu nennende Medikament ist Minoxidil. Es wurde in den 1970er Jahren gegen Bluthochdruck entwickelt. Erst einige Jahre später wurde entdeckt, das Minoxidil das Haarwachstum verstärkt. Nach weiteren Studien, die sich gezielt mit der Thematik Haarausfall und dem Medikament Minoxidil beschäftigten, wurde daraus ein Haarwuchsmittel kreiert, das zur äußerlichen Anwendung dient und hauptsächlich unter der Markenbezeichnung Regaine oder Rogaine vertrieben wird.

Klinisch belegt ist, das Minoxidil bei männlichen Personen im Alter von 18 bis 49 Jahren die ererbte oder altersbedingte Glatzenbildung stabilisieren, also aufhalten kann. Für den Bereich der Geheimratsecken gibt es jedoch keinen Nachweis der Wirksamkeit. Der Hersteller gibt hierzu an, dass etwa 75 % aller Anwender erfolgreich die Glatzenbildung aufhalten können. Bei etwa 30 % der Anwender wachsen sogar wieder neue Haare, jedoch bei nur etwa 10 % mit einem befriedigenden Ergebnis.

Das Mittel muss 2x mal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Erste Ergebnisse sind nach ungefähr drei bis vier Monaten zu erwarten, nach etwa 12 Monaten ist der höchste Wirkungsgrad erreicht. Wird Minoxidil wieder abgesetzt, beginnt der Haarausfall von neuem. Es muss also so lange verwendet werden, wie der Wunsch nach mehr Haaren besteht. Aktuell beträgt der Preis für eine Packung Minoxidil mit 60 ml Inhalt rund 45 Euro. Entsprechend den Gebrauchsangaben ist dies ausreichend für einen Monat.

Finasterid

Bei diesem rezeptpflichtigen Medikament handelt es sich um einen sogenannten Enzymhemmer. Nach der oralen Einnahme von Finasterid verhindert das Medikament die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, kurz DHT. Genau dieses DHT ist verantwortlich für die ererbte Glatzenbildung, da bestimmte Haarfollikel empfindlich darauf reagieren und ihr Wachstum einstellen.

In mehreren Studien konnte belegt werden, dass etwa 85 % aller Anwender im Alter von 18 bis 60 Jahren den Haarausfall mit Finasterid stoppen konnten. Bei 65 % der Studienteilnehmer konnte erneutes Haarwachstum beziehungsweise eine Haarverdickung festgestellt werden.

Eine leider recht gravierende Nebenwirkung von Finasterid sind Potenzstörungen, die je nach Dosierung bei 1 bis 10 % der Personen auftritt, die das Medikament einnehmen. Ebenso wird von depressiven Stimmungen berichtet und eine weitere Studie belegt, dass sich mit der Einnahme von Finasterid die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, verdoppelt. Um die Wirkung des Medikamentes aufrechtzuerhalten, muss es so lange eingenommen werden, wie eine erneute Glatzenbildung verhindert werden soll. Finasterid kostet in Form des Generika Propecia rund 85 Euro mit 60 Tabletten a 1 mg. Das ist für eine Behandlung über 2 Monate ausreichend.

Haarausfall: Was hilft denn nun wirklich?

HaartransplantationWie aus den hervorgehenden Fakten zu ersehen ist, lässt sich Haarausfall mit Hausmitteln überhaupt nicht und mit den entsprechenden Medikamenten nur bedingt sowie mit einigen Risiken bekämpfen. Dabei gibt es eine Lösung, die nun schon seit Jahrzehnten Anwendung findet und auch schon angesprochen wurde. Die Eigenhaartransplantation ist eine zuverlässige Methode um kahl gewordene Stellen am Kopf wieder zu füllen.

Hierfür kommen heute überwiegend zwei Methoden zur Anwendung. Einmal das FUT-Verfahren, indem am Hinterkopf aus dem Haarkranz ein Hautstreifen geschnitten wird, um daraus die einzelnen Haarfollikel zu extrahieren und diese im Anschluss einzeln an den kahlen Stellen einzusetzen. Der Vorteil dieser Methode liegt vor allem in der relativ kurzen Operationszeit. Der Nachteil besteht in einer bleibenden und bei Kurzhaarfrisuren auch sichtbaren Narbe am Hinterkopf.

Zum anderen gibt es die FUE-Technik. Bei dieser Form der Haartransplantation werden die zu verpflanzenden Haarfollikel einzeln entnommen und auch einzeln an anderer Stelle eingesetzt. Der Vorteil liegt einmal darin, dass sich keinerlei sichtbare Narben bilden und der Arzt kann die Vitalität der einzelnen Follikel genauer bestimmen, er oder sie besitzt die größere Auswahl. Der Nachteil liegt in der längeren Operationszeit.

Die Abheilphase und Aktivierung der verpflanzten Haare umfasst etwa drei Monate, in denen aber ein normales Leben geführt werden kann und dies ohne ein Leben lang Medikamente schlucken oder auftragen zu müssen. Im Verhältnis zu den Medikamenten amortisiert sich zum Beispiel eine Haartransplantation in der Türkei in wenigen Jahren.